Ein Schluckauf kündigt sich selten an. Man sitzt beim Essen, trinkt etwas oder unterhält sich und plötzlich kommt dieses unverwechselbare Geräusch. Einmal wäre es noch lustig. Dann kommt das zweite Hick. Wenige Sekunden später das dritte.
Genau das macht Schluckauf so lästig. Nach einigen Wiederholungen kennt man ungefähr den Rhythmus und wartet geradezu auf den nächsten Hickser. Für ein paar Sekunden passiert nichts, man glaubt schon an das Ende – und dann meldet er sich doch wieder.
Mediziner sprechen von Singultus. Das klingt deutlich eindrucksvoller als Schluckauf, bezeichnet aber denselben Vorgang: unwillkürliche, wiederholte Kontraktionen des Zwerchfells, denen ein plötzlicher Verschluss der Stimmritze folgt. Genau dadurch entsteht das charakteristische Geräusch.
Unter unseren Lungen liegt eine große kuppelförmige Muskelplatte. Sie trennt Brust- und Bauchraum voneinander und übernimmt eine zentrale Aufgabe bei der Atmung.
Zieht sich das Zwerchfell zusammen, flacht es ab und vergrößert den Raum im Brustkorb. Die Lungen können sich ausdehnen und Luft strömt hinein. Beim Ausatmen entspannt sich der Muskel wieder.
Das Zwerchfell zieht sich plötzlich und reflexartig zusammen. Dadurch entsteht eine schnelle Einatmungsbewegung. Kurz danach verschließt sich die Stimmritze im Kehlkopf.
Die einströmende Luft wird durch diesen abrupten Verschluss gestoppt. Das bekannte Schluckaufgeräusch entsteht also nicht einfach dadurch, dass das Zwerchfell zuckt. Entscheidend ist auch die Reaktion im Kehlkopf.
Zwischen der Muskelaktivierung und dem Verschluss der Stimmritze liegen nur wenige Millisekunden. Der Reflex läuft so schnell ab, dass wir keine realistische Chance haben, ihn bewusst in seinem Ablauf zu stoppen.
Selbst wenn wir wissen, dass gleich wieder einer kommt, können wir den genauen Moment kaum kontrollieren. Der Körper führt sein kleines Programm einfach aus.
Das eigentlich Faszinierende am Schluckauf ist nicht sein Mechanismus. Der lässt sich recht gut beschreiben. Schwieriger wird die Frage, warum Menschen überhaupt über einen solchen Reflex verfügen.
Husten entfernt Fremdkörper und Schleim aus den Atemwegen. Niesen hilft, Reize aus der Nase zu befördern. Erbrechen kann schädliche Stoffe aus dem Magen entfernen. Beim Schluckauf ist der Vorteil wesentlich schwerer zu erkennen.
Eine Möglichkeit lautet, dass wir es mit einem evolutionären Überbleibsel zu tun haben. Der Reflex könnte ursprünglich eine Funktion besessen haben, die für den modernen erwachsenen Menschen kaum noch Bedeutung hat.
Unser Körper ist kein am Reißbrett vollständig neu entwickeltes System. Evolution verändert vorhandene Strukturen. Ein Mechanismus kann deshalb erhalten bleiben, obwohl sein ursprünglicher Nutzen längst gering geworden ist.
Forscher haben vorgeschlagen, dass der Schluckauf mit sehr alten Atemmustern unserer evolutionären Vorfahren zusammenhängen könnte. Manche Überlegungen ziehen Parallelen zu Bewegungsabläufen bei Tieren, die sowohl Kiemen als auch Lungen verwenden.
Evolutionäre Erklärungen für den Schluckauf sind interessant, aber schwer direkt zu testen. Wir können schließlich nicht beobachten, wann der Reflex erstmals entstand und welche konkrete Aufgabe er vor Millionen Jahren erfüllte.
Schluckauf tritt bereits sehr früh im Leben auf. Neugeborene können regelmäßig hicksen, und entsprechende rhythmische Bewegungen werden sogar schon vor der Geburt beobachtet.
Es wurde deshalb vermutet, dass Schluckauf bei Säuglingen mit Atem- oder Fütterungsmechanismen zusammenhängen könnte. Auch hier gibt es jedoch keine einzelne Erklärung, die die Funktion des Reflexes endgültig klärt.
Das lässt sich ziemlich sicher sagen. Niemand verbessert seine Gesundheit dadurch, dass er nach dem Abendessen zehn Minuten lang hickst.
Kurzfristiger Schluckauf wird oft nach sehr schnellem Essen, großen Mahlzeiten oder kohlensäurehaltigen Getränken beobachtet. Auch Alkohol kann bei manchen Menschen eine Episode begünstigen.
Das macht diese Verbindung zumindest anatomisch plausibel. Wird der Magen stark gedehnt, befindet sich die Veränderung unmittelbar in der Nähe jenes Muskels, der beim Schluckauf die Hauptrolle spielt.
Wer hastig isst, schluckt möglicherweise mehr Luft und füllt den Magen schneller. Ein gemütliches Abendessen und das hastige Verschlingen einer großen Mahlzeit sind für den Verdauungstrakt eben nicht dasselbe.
Ein großes Glas eines stark kohlensäurehaltigen Getränks liefert nicht nur Flüssigkeit. Das freigesetzte Gas kann ebenfalls zur Dehnung des Magens beitragen.
Reize im Bereich von Speiseröhre und Magen können offenbar Teile jenes komplexen Reflexbogens beeinflussen, der am Schluckauf beteiligt ist. Das bedeutet nicht, dass jeder nach Chili hickst. Empfindlichkeit und Situation unterscheiden sich deutlich.
Lachen, starke Emotionen oder abrupte Veränderungen können ebenfalls mit kurzen Schluckaufepisoden zusammenfallen. Manchmal lässt sich überhaupt kein vernünftiger Auslöser finden.
Bei einem gewöhnlichen Schluckauf, der nach einigen Minuten wieder verschwindet, besteht auch kaum ein Grund für aufwendige Ursachenforschung.
Beim Schluckauf geschieht etwas kulturell Bemerkenswertes. Kaum beginnt jemand zu hicksen, fühlen sich Menschen in der Umgebung verpflichtet, ihre persönliche Geheimtechnik weiterzugeben.
Aber natürlich darf es nicht einfach irgendein Wassertrinken sein. Manche schwören auf kleine Schlucke, andere auf ein ganzes Glas ohne abzusetzen.
Dabei beugt man sich vor und versucht, vom gegenüberliegenden Rand des Glases zu trinken. Der Aufwand ist erheblich und nasse Kleidung gehört zu den möglichen Nebenwirkungen.
Tief einatmen, Luft anhalten und möglichst lange warten. Irgendwann soll der Schluckauf aufgeben.
Ein Löffel Kristallzucker soll geschluckt werden. Andere bevorzugen Honig, Zitronensaft oder Essig.
Das ist vermutlich die einzige Schluckaufbehandlung, bei der Außenstehende deutlich mehr Freude haben als der Betroffene.
Für viele bekannte Hausmittel existieren plausible Erklärungsversuche, aber nur begrenzte belastbare Studien. Selbst bei lang anhaltendem Schluckauf kam eine Cochrane-Auswertung zu dem Ergebnis, dass die Evidenz für einzelne Behandlungen insgesamt unzureichend ist.
Gewöhnlicher Schluckauf verschwindet fast immer von selbst. Genau deshalb ist es so schwierig herauszufinden, ob ein Hausmittel tatsächlich funktioniert hat.
Man hat fünf Minuten Schluckauf. Dann trinkt man ein Glas Wasser. Dreißig Sekunden später ist der Schluckauf verschwunden.
Vielleicht hätte der letzte Hickser aber auch ohne Wasser genau zu diesem Zeitpunkt stattgefunden.
„Bei mir funktioniert Wasser immer.“
Das bedeutet keineswegs, dass Wassertrinken wirkungslos sein muss. Nur lässt sich aus einer einzelnen erfolgreichen Anwendung nicht erkennen, was tatsächlich den Ausschlag gegeben hat.
Sie versuchen, den Reflexablauf zu unterbrechen oder Nerven zu stimulieren, die daran beteiligt sind.
Der Vagusnerv verbindet das Gehirn mit zahlreichen Organen in Brust- und Bauchraum. Auch der Phrenikusnerv, der das Zwerchfell steuert, spielt beim Schluckaufreflex eine entscheidende Rolle.
Wer Wasser trinkt, aktiviert Muskeln im Rachen und in der Speiseröhre, verändert kurzzeitig die Atmung und beschäftigt mehrere Nervenbahnen.
Es gibt einen physiologisch nachvollziehbaren Grund, weshalb eine bewusste Serie von Schluckbewegungen einen bestehenden Rhythmus beeinflussen könnte.
Jeder Mensch, der bereits ein halbes Glas Wasser getrunken und zwischen zwei Schlucken weitergehickst hat, kann das bestätigen.
Beim Atemanhalten steigt allmählich die Kohlendioxidkonzentration im Blut. Ältere experimentelle Arbeiten zeigen, dass erhöhte Kohlendioxidwerte den Schluckaufreflex beeinflussen beziehungsweise unterdrücken können.
Ein paar Sekunden die Luft anzuhalten beendet nicht bei jedem Menschen zuverlässig jede Episode.
Man sollte selbstverständlich nicht versuchen, Atemmanöver bis zur Bewusstlosigkeit zu treiben. Ein harmloser Schluckauf rechtfertigt keine riskanten Selbstversuche.
Insbesondere Kunststoffbeutel haben vor Mund und Nase nichts verloren. Methoden, die bewusst die Sauerstoffversorgung reduzieren können, erzeugen bei einem normalerweise völlig harmlosen Zustand unnötige Risiken.
Der berühmte Überraschungsmoment verändert kurzfristig Atmung, Muskelspannung und Aufmerksamkeit. Dass daraus gelegentlich das Ende einer Schluckaufepisode folgt, ist durchaus vorstellbar.
Wer einen Hickser hat, muss nicht damit rechnen, dass Angehörige hinter Türen lauern, Luftballons platzen lassen oder plötzlich losschreien.
Ein kleines überraschendes „Buh“ mag harmlos sein. Jemanden absichtlich massiv zu erschrecken, nur um einen Schluckauf zu beseitigen, ist eine ziemlich schlechte Risiko-Nutzen-Abwägung.
Das Schlucken körniger oder stark schmeckender Substanzen könnte über intensive Reizung im Mund- und Rachenraum Nervenaktivität verändern. Auch hierzu existieren Berichte und kleinere Untersuchungen, aber kein universelles Heilversprechen.
Der Schluckaufreflex umfasst mehrere Nerven, Muskelgruppen und zentrale Steuerungsbereiche. Es wäre deshalb nicht erstaunlich, wenn unterschiedliche Reize bei verschiedenen Menschen verschieden gut wirken.
Ein normaler Schluckauf dauert meistens nur kurze Zeit und verschwindet ohne Behandlung. Das aktuelle Merck Manual bezeichnet vorübergehende Episoden als sehr häufig und in aller Regel harmlos.
Langsames Wassertrinken, bewusst ruhiges Atmen oder ein kurzes Atemanhalten sind bei gesunden Erwachsenen vergleichsweise unkomplizierte Versuche.
Man muss nicht kopfüber vom Sofa hängen, eine Zitrone essen und gleichzeitig das Alphabet rückwärts aufsagen.
Schluckauf ist ein ideales Phänomen für solche Erzählungen. Weil er normalerweise ohnehin endet, kann fast jedes Ritual irgendwann mit einem Erfolg zusammenfallen.
Ein paar Minuten sind lästig. Stunden können bereits ausgesprochen anstrengend werden.
Schluckauf, der länger als 48 Stunden anhält, wird als persistierend bezeichnet. Dauert er länger als einen Monat, spricht man üblicherweise von hartnäckigem oder „intractable“ Schluckauf.
Ein Schluckauf über zwei Tage sollte medizinisch abgeklärt werden. Dahinter können Erkrankungen, Medikamente oder Reizungen verschiedener Strukturen stehen.
Die beteiligten Nerven verlaufen vom Gehirn durch Hals und Brustraum bis zum Zwerchfell. Dadurch können sehr unterschiedliche medizinische Probleme theoretisch den Schluckaufreflex beeinflussen.
Erkrankungen oder starke Reizungen von Speiseröhre und Magen gehören zu den möglichen Auslösern länger anhaltender Episoden.
Schädigungen oder Erkrankungen bestimmter Bereiche von Gehirn und Rückenmark können hartnäckigen Schluckauf verursachen. Auch Stoffwechselveränderungen, Medikamente und Erkrankungen anderer Organe kommen als Ursachen infrage.
Die medizinische Behandlung besteht dann nicht darin, immer ausgefallenere Trinktechniken auszuprobieren.
Anamnese, Untersuchung und je nach Situation weitere Diagnostik sollen klären, ob hinter dem ungewöhnlich langen Schluckauf ein behandelbares Problem steckt.
Für schwere Fälle werden verschiedene Wirkstoffe eingesetzt. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt jedoch von Ursache, Begleiterkrankungen und Situation ab und gehört in ärztliche Hände.
Was zunächst wie eine lächerlich kleine Störung wirkt, kann bei Dauerproblemen Schlaf, Essen und Trinken massiv beeinträchtigen.
Versuchen Sie einmal, einen längeren Satz zu sprechen, während alle paar Sekunden das Zwerchfell dazwischenfunkt.
Länger anhaltender Schluckauf kann die Nachtruhe erheblich stören. Genau deshalb betrachtet die Medizin persistierende Fälle nicht als bloße Kuriosität.
Der vermutlich berühmteste Schluckaufpatient der Geschichte war der US-Amerikaner Charles Osborne. Sein Schluckauf begann 1922 und hörte nach Angaben von Guinness World Records erst 1990 wieder auf.
Osborne lebte während dieser Zeit weiter, heiratete und gründete eine Familie. Dennoch muss man sich kaum vorstellen, wie belastend ein permanent wiederkehrender Schluckauf über einen derart langen Zeitraum gewesen sein muss.
Osborne berichtete, der Schluckauf habe begonnen, nachdem er bei der Arbeit mit einem schweren Schwein gestürzt war. Später wurde über eine mögliche Verletzung in einem Bereich des Gehirns spekuliert, der an der Kontrolle des Reflexes beteiligt sein könnte. Die genaue Ursache lässt sich historisch allerdings nicht mit moderner Diagnostik rekonstruieren.
Nach 68 Jahren hörte der Schluckauf im Februar 1990 plötzlich auf. Osborne starb im folgenden Jahr.
Niemand sollte bei einem zehnminütigen Schluckauf daran denken, dass nun 68 Jahre bevorstehen könnten.
Etwas, das bei den meisten Menschen kaum mehr als eine kurze Belästigung darstellt, kann unter außergewöhnlichen Umständen zu einem ernsthaften medizinischen Problem werden.
Das deutsche Wort ahmt den Vorgang beinahe lautmalerisch nach. Im Englischen erfüllt „hiccup“ eine ähnliche Funktion.
„Singultus“ stammt aus dem Lateinischen und wurde mit Schluchzen beziehungsweise keuchenden Lauten in Verbindung gebracht.
Eltern kennen das Phänomen gut. Gerade bei sehr kleinen Kindern kann Schluckauf nach dem Trinken regelmäßig auftreten.
Säuglinge trinken relativ große Flüssigkeitsmengen im Verhältnis zu ihrer Körpergröße. Gleichzeitig befindet sich ihr Verdauungs- und Nervensystem noch in Entwicklung.
Ein Säugling kann friedlich weiterliegen, während Erwachsene fieberhaft darüber diskutieren, ob man jetzt irgendetwas tun müsse.
Gewöhnlicher kurzer Schluckauf ist auch bei Babys normal. Auffällige zusätzliche Beschwerden oder ungewöhnlich lange Episoden gehören selbstverständlich ärztlich beurteilt.
Schwangere berichten von regelmäßigen, rhythmischen Bewegungen, die sich deutlich von einzelnen Tritten unterscheiden können.
Das macht deutlich, dass Schluckauf nicht einfach eine Fehlfunktion unserer normalen Luftatmung sein kann.
Dass der Reflex so früh auftritt, unterstützt die Vermutung, dass er tief in unserem Nervensystem verankert ist.
Der Schluckauf gehört damit zu jenen Körperfunktionen, deren Mechanismus wesentlich besser verstanden ist als ihre ursprüngliche Funktion.
Bei verschiedenen Säugetieren werden ebenfalls schluckaufähnliche Bewegungsmuster beobachtet. Das passt zu einem evolutionär alten Reflex.
Wir sind lediglich besonders gut darin, anschließend dreißig verschiedene Hausmittel darüber zu diskutieren.
Starkes Lachen verändert die Atmung und erzeugt schnelle Bewegungen von Zwerchfell und Brustkorb.
Wer gleichzeitig lachen und hicksen muss, verliert schnell die Kontrolle über den Rhythmus seiner Atmung.
Ein sehr heißes Essen gefolgt von einem kalten Getränk oder umgekehrt wird häufig genannt. Wie zuverlässig solche Reize tatsächlich einen Schluckauf auslösen, ist individuell verschieden.
Kurzfristiger Schluckauf ist harmlos, unvorhersehbar und meistens vorbei, bevor man ihn wissenschaftlich ausführlich untersuchen kann.
Dadurch stammen viele Erkenntnisse aus experimentell ausgelösten Episoden, Beobachtungen, Fallberichten oder Untersuchungen von Menschen mit ungewöhnlich langem Schluckauf.
Für ein derart alltägliches Phänomen ist erstaunlich wenig endgültig geklärt.
Man spricht häufig von einem Reflexbogen oder einem Schluckaufzentrum. Tatsächlich dürften mehrere Bereiche des Nervensystems beteiligt sein.
Neben dem Zwerchfell können weitere Atemmuskeln, der Kehlkopf und Strukturen der Speiseröhre beteiligt sein. Der scheinbar einfache Hickser ist ein bemerkenswert koordiniertes Ereignis.
Der Körper kann etwas ausgesprochen präzise ausführen, obwohl wir den Zweck dahinter nicht verstehen.
Ein echter Reflex lässt sich nicht einfach durch den Entschluss stoppen, jetzt nicht mehr zu hicksen.
Der Versuch führt meistens zu einem angespannten Gesicht und dem besonders lauten nächsten Hickser.
Manchmal bemerkt man erst nach einigen Minuten, dass der Schluckauf verschwunden ist.
Das ist wahrscheinlich die angenehmste Variante. Statt zehn unterschiedliche Gegenmittel auszuprobieren, beschäftigt man sich mit etwas anderem und irgendwann herrscht wieder Ruhe.
Hat man unmittelbar zuvor irgendetwas Ungewöhnliches getan, bekommt dieses Ereignis anschließend den Kredit.
Vielleicht.
Kann sein.
Warum auch immer.
Er verschwindet meistens trotzdem.
Bei einer normalen kurzen Episode kann man abwarten oder ein harmloses Hausmittel ausprobieren. Ruhiges Atmen und langsames Wassertrinken verursachen normalerweise wenig Aufwand.
Dauert der Schluckauf länger als zwei Tage, sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden. Das gilt besonders, wenn weitere Beschwerden hinzukommen.
Nicht der Reflex selbst muss das eigentliche Problem sein. Er kann ein Symptom einer anderen Störung darstellen.
In praktisch allen Alltagssituationen ist Schluckauf vor allem eines: nervig.
Kaum ein anderes Körpergeräusch unterbricht eine ernsthafte Situation so zuverlässig.
Ein Hochzeitsredner kann noch so emotional sprechen. Ein lautes Hick zwischen zwei bedeutungsschweren Sätzen verändert die Atmosphäre erheblich.
Husten kann man teilweise unterdrücken. Räuspern lässt sich verschieben. Der Schluckauf besitzt ein bemerkenswertes Talent dafür, genau im falschen Moment besonders laut zu werden.
Unser Körper funktioniert die meiste Zeit erstaunlich zuverlässig. Herz, Lunge, Verdauung und Nervensystem erledigen rund um die Uhr hochkomplexe Aufgaben, ohne dass wir darüber nachdenken müssen.
Ein winziger Reflex erinnert uns daran, dass wir diesen Körper keineswegs vollständig kontrollieren.
Wir wissen ziemlich genau, welche Muskelbewegungen das Geräusch erzeugen. Wir kennen zahlreiche mögliche Auslöser und können hartnäckige Fälle medizinisch behandeln.
Warum hat die Evolution uns dieses merkwürdige Programm überhaupt mitgegeben?
Bis dahin bleibt uns die praktische Seite des Problems.
Vielleicht einen Schluck Wasser trinken.
Und hoffen, dass es das gewesen ist.
Denn jeder erfahrene Schluckaufpatient kennt diesen Moment.
Zehn Sekunden Ruhe.
Zwanzig Sekunden.
Man lächelt erleichtert und sagt: „Jetzt ist er weg.“
Hick.
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