Es gibt Aufgaben, für die braucht man Zeit. Die Steuererklärung gehört dazu. Einen Keller auszuräumen ebenfalls. Auch die Entscheidung, endlich das Wohnzimmer zu renovieren, darf ruhig ein paar Tage reifen. Merkwürdig wird es allerdings bei jenen Dingen, die eigentlich schneller erledigt wären, als man darüber nachdenken kann. Eine Rechnung überweisen. Einen Termin vereinbaren. Die Glühbirne im Vorzimmer wechseln. Eine kurze E-Mail beantworten. Das Paket zur Post bringen, das seit einer Woche neben der Wohnungstür steht.
Man weiß genau, dass die Sache erledigt werden muss. Man weiß sogar, dass sie wahrscheinlich keine fünf Minuten dauern wird. Trotzdem geht man tagelang daran vorbei.
Irgendwann entsteht daraus ein seltsames Verhältnis zwischen Mensch und Aufgabe. Aus dem kleinen Paket neben der Tür wird beinahe ein Mitbewohner. Man sieht es morgens, wenn man das Haus verlässt. Man sieht es abends wieder. Zwischendurch denkt man gelegentlich daran und nimmt sich fest vor, es morgen wirklich mitzunehmen.
Morgen kommt zuverlässig. Das Paket bleibt.
Warum machen wir das?
Eine Aufgabe besitzt mindestens zwei Größen. Da ist zunächst der tatsächliche Aufwand. Eine kurze Nachricht zu beantworten kann vielleicht drei Minuten dauern. Daneben gibt es allerdings noch die gefühlte Größe der Aufgabe.
Und die kann erheblich größer sein.
Das zeigt sich besonders bei Dingen, die unangenehm, langweilig oder mit einer kleinen Unsicherheit verbunden sind. Beim Zahnarzt anzurufen dauert möglicherweise zwei Minuten. Die Aussicht auf den Zahnarztbesuch macht aus diesem Telefonat trotzdem eine Aufgabe, die man lieber später erledigt. Eine Rechnung zu prüfen dauert vielleicht fünf Minuten. Besteht die Möglichkeit, dass etwas nicht stimmt, wird daraus plötzlich ein unangenehmes Projekt.
Aufschieben hat deshalb nicht unbedingt etwas damit zu tun, dass wir glauben, keine Zeit zu haben.
Oft wollen wir einfach gerade nicht das Gefühl erleben, das mit einer Aufgabe verbunden ist.
Das kann Langeweile sein. Unsicherheit. Ärger. Die Befürchtung, dass aus einer kleinen Aufgabe eine größere entsteht. Oder schlicht die Abneigung dagegen, etwas tun zu müssen, das keinen Spaß macht.
Also verschieben wir die Sache.
Für einen kurzen Moment funktioniert das sogar hervorragend.
Stellen wir uns vor, am Küchentisch liegt ein Brief, auf den wir reagieren müssen. Wir sehen ihn und denken daran, dass wir eigentlich antworten sollten.
Dann entscheiden wir: Das mache ich später.
In genau diesem Moment verschwindet der unmittelbare Druck. Wir müssen uns jetzt nicht darum kümmern. Stattdessen können wir Kaffee trinken, fernsehen, am Smartphone herumspielen oder etwas anderes erledigen.
Das Aufschieben wird damit kurzfristig belohnt.
Die Aufgabe ist zwar nicht verschwunden, aber das unangenehme Gefühl ist für den Augenblick reduziert worden. Genau das macht Prokrastination so hartnäckig. Sie funktioniert kurzfristig.
Das Problem kommt später.
Am nächsten Tag liegt der Brief immer noch da. Zusätzlich zur ursprünglichen Aufgabe kommt nun ein zweites unangenehmes Gefühl: Man weiß, dass man die Sache schon gestern hätte erledigen können.
Noch einen Tag später wird es nicht besser.
Aus einer einfachen Aufgabe entsteht allmählich eine kleine Belastung, die ständig irgendwo im Hintergrund mitläuft.
Besonders interessant sind unerledigte Kleinigkeiten, weil sie kaum Platz in der Wohnung benötigen, aber erstaunlich viel Platz im Kopf beanspruchen können.
Man sieht die kaputte Schublade und denkt: Die müsste ich reparieren.
Beim nächsten Öffnen denkt man wieder daran.
Dann entdeckt man irgendwo passende Schrauben und denkt erneut an die Schublade.
Vielleicht erzählt jemand von einem Möbelstück und plötzlich ist sie wieder da.
Die Reparatur selbst würde vielleicht zehn Minuten dauern. Über mehrere Wochen verteilt hat man sich allerdings zwanzigmal damit beschäftigt.
Ähnlich funktioniert es mit unbeantworteten Nachrichten, ausstehenden Anrufen und kleinen organisatorischen Aufgaben. Sie verschwinden nicht vollständig aus dem Bewusstsein. Immer wieder tauchen sie auf und verlangen für einen Moment Aufmerksamkeit.
Das bedeutet nicht, dass wir ständig bewusst über jede unerledigte Aufgabe nachdenken. Vieles erscheint nur für Sekunden. Trotzdem entsteht das Gefühl, dass noch etwas offen ist.
Wer mehrere solcher Dinge gleichzeitig mit sich herumträgt, kennt den Zustand vielleicht: Eigentlich wäre gerade Freizeit. Trotzdem fühlt es sich nicht ganz danach an.
Rein wirtschaftlich betrachtet ist unser Verhalten manchmal absurd.
Eine Aufgabe dauert drei Minuten.
Wir denken zwei Wochen lang jeden Tag zehn Sekunden darüber nach. Wir verschieben sie mehrfach, suchen möglicherweise Unterlagen, legen diese wieder weg und erinnern uns später erneut daran.
Der tatsächliche Aufwand bleibt drei Minuten. Der geistige Aufwand wächst dagegen ständig.
Warum erkennt unser Gehirn diese Rechnung nicht?
Weil wir Entscheidungen selten wie ein Buchhalter treffen.
Die drei Minuten Aufwand entstehen jetzt. Der Vorteil einer erledigten Aufgabe liegt dagegen in der Zukunft. Unser unmittelbares Empfinden bekommt dadurch ein stärkeres Gewicht als die vernünftige langfristige Entscheidung.
Hinzu kommt, dass die Alternative meistens attraktiver ist. Niemand verschiebt einen unangenehmen Anruf, um stattdessen schweigend eine weiße Wand anzusehen. Wir greifen zum Smartphone, trinken Kaffee, beschäftigen uns mit einer anderen Aufgabe oder erledigen sogar Dinge, die plötzlich erstaunlich wichtig erscheinen.
Das ist eine besonders raffinierte Form des Aufschiebens.
Plötzlich wird die Küche geputzt.
Das wäre eigentlich eine gute Sache. Nur hätte man gerade eine Bewerbung schreiben sollen.
Oder der Schreibtisch wird aufgeräumt, obwohl eine unangenehme Rechnung kontrolliert werden müsste. E-Mails werden sortiert, Ordner umbenannt und Pflanzen gegossen. Es fühlt sich nach Arbeit an und deshalb entsteht kaum ein schlechtes Gewissen.
Man war schließlich fleißig.
Nur die eine Aufgabe, die man eigentlich erledigen wollte, ist noch immer offen.
Diese Form des Aufschiebens ist besonders überzeugend, weil wir uns selbst problemlos erklären können, warum das gerade sinnvoll war. Natürlich musste der Schreibtisch irgendwann aufgeräumt werden. Selbstverständlich braucht die Pflanze Wasser. Und Ordnung im E-Mail-Postfach kann schließlich auch nicht schaden.
Alles richtig.
Trotzdem wissen wir meistens ziemlich genau, was gerade passiert.
Ein häufiger Gedanke lautet: Ich mache es später, wenn ich mehr Lust darauf habe.
Das klingt vernünftig.
Es gibt nur ein Problem. Warum sollte man morgen plötzlich Lust bekommen, die Versicherung anzurufen, wenn man heute keine Lust darauf hat?
Die Aufgabe wird durch das Warten selten attraktiver.
Manchmal wird sie sogar unangenehmer. Eine harmlose Antwort beginnt nach mehreren Tagen mit einer Entschuldigung für die verspätete Antwort. Ein Formular bekommt eine näherrückende Frist. Aus dem kleinen Problem mit dem tropfenden Wasserhahn wird möglicherweise ein größeres.
Wer darauf wartet, dass die richtige Stimmung für unangenehme Alltagsaufgaben entsteht, kann deshalb ziemlich lange warten.
Bei Dingen, die wir regelmäßig erledigen, verlassen wir uns ohnehin kaum auf Motivation. Niemand wartet morgens auf einen plötzlichen Motivationsschub zum Zähneputzen. Man macht es einfach, weil die Handlung einen festen Platz im Tagesablauf besitzt.
Genau darin steckt ein wichtiger Unterschied.
Viele aufgeschobene Tätigkeiten haben eine erstaunliche Eigenschaft: Sobald man begonnen hat, sind sie gar nicht so schlimm.
Man öffnet endlich das Onlinebanking.
Man nimmt den Schraubenzieher aus der Schublade.
Man wählt die Telefonnummer.
Plötzlich läuft die Sache.
Das eigentliche Hindernis lag davor.
Zwischen dem Gedanken „Das müsste ich machen“ und dem tatsächlichen ersten Handgriff befindet sich eine unsichtbare Schwelle. Je länger eine Aufgabe aufgeschoben wurde, desto größer kann diese Schwelle erscheinen.
Deshalb können sehr kleine erste Schritte überraschend hilfreich sein.
Nicht: „Ich mache jetzt die gesamte Ablage.“
Sondern: „Ich lege die Rechnungen auf den Tisch.“
Nicht: „Ich räume endlich den Keller auf.“
Sondern: „Ich bringe diese eine Kiste hinunter.“
Nicht: „Ich kümmere mich um die Versicherung.“
Sondern: „Ich suche die Polizzennummer.“
Der Trick besteht darin, den Einstieg so klein zu machen, dass kaum noch etwas dagegen spricht.
Hat man erst einmal begonnen, erledigt man häufig mehr als geplant.
Ein weiterer Grund für endloses Aufschieben steckt in einem ausgesprochen beliebten Wort: später.
„Das mache ich später.“
Wann genau ist später?
Heute Nachmittag? Morgen? Am Wochenende? Nach dem Essen? Wenn weniger los ist?
Solange eine Aufgabe keinen konkreten Zeitpunkt besitzt, muss bei jeder Erinnerung erneut entschieden werden. Jetzt machen oder wieder verschieben?
Psychologen beschäftigen sich seit Langem mit sogenannten Implementation Intentions. Dabei wird eine Absicht mit einer konkreten Situation verbunden: Wenn eine bestimmte Situation eintritt, werde ich eine bestimmte Handlung ausführen. Eine große Meta-Analyse von 642 Tests aus dem Jahr 2024 kam zu dem Ergebnis, dass solche Wenn-dann-Pläne bei unterschiedlichen kognitiven, emotionalen und verhaltensbezogenen Zielen wirksam sein können. Besonders hilfreich waren konkrete Wenn-dann-Formulierungen.
Das klingt wissenschaftlicher, als es im Alltag sein muss.
„Morgen rufe ich dort an“ ist ziemlich unverbindlich.
„Morgen nach dem Frühstück rufe ich dort an“ ist schon wesentlich konkreter.
Noch besser funktioniert möglicherweise: „Wenn ich morgen meine Kaffeetasse in den Geschirrspüler stelle, nehme ich danach das Handy und rufe dort an.“
Die Aufgabe bekommt einen Auslöser.
Damit muss man nicht mehr darauf hoffen, irgendwann zufällig motiviert genug zu sein.
Merkwürdigerweise behandeln wir Verpflichtungen gegenüber anderen Menschen häufig ernster als Verpflichtungen gegenüber uns selbst.
Ist für 14 Uhr ein Termin mit jemandem vereinbart, erscheinen wir normalerweise um 14 Uhr.
Nehmen wir uns dagegen vor, um 14 Uhr unsere Unterlagen zu sortieren, kann um 13.58 Uhr plötzlich alles Mögliche wichtiger erscheinen.
Der Termin stand schließlich nur mit uns selbst im Kalender.
Das ist schade, denn gerade kleine private Aufgaben leiden darunter. Sie haben keine unmittelbaren Konsequenzen, wenn man sie um einen Tag verschiebt. Deshalb verlieren sie bei jeder neuen Ablenkung.
Man kann dieses Verhältnis umdrehen.
Ein konkreter Eintrag im Kalender wirkt anders als die diffuse Absicht, irgendwann etwas zu erledigen. Besonders für Aufgaben, die länger als ein paar Minuten dauern, kann ein fest reservierter Zeitraum hilfreich sein.
Nicht irgendwann den Keller aufräumen.
Samstag von 10 bis 11 Uhr eine Ecke des Kellers aufräumen.
Das ist überschaubar und vor allem endlich.
Häufig hört man den Rat: Dauert etwas weniger als zwei Minuten, soll man es sofort erledigen.
Als Faustregel ist das sympathisch. Man sollte daraus allerdings keine Religion machen.
Wer während konzentrierter Arbeit alle zwei Minuten aufspringt, weil irgendwo eine neue Kleinigkeit auftaucht, wird zwar viele Kleinigkeiten erledigen, kommt mit der eigentlichen Arbeit aber kaum voran.
Entscheidend ist deshalb weniger die exakte Minutenzahl als die Situation.
Entdecke ich beim Aufräumen einen Brief, der nur noch frankiert werden muss, kann es sinnvoll sein, das sofort zu erledigen. Fällt mir während eines wichtigen Gesprächs ein, dass ich noch Toilettenpapier bestellen wollte, sollte ich wahrscheinlich nicht sofort den Onlineshop öffnen.
Kleine Aufgaben brauchen also nicht unbedingt sofortige Erledigung.
Sie brauchen einen verlässlichen Ort.
Eine kurze Liste kann dafür reichen. Wichtig ist, dass aus „irgendwann“ etwas Konkretes wird.
Besonders unangenehm ist eine spezielle Kategorie kleiner Aufgaben: verspätete Antworten.
Am ersten Tag wäre eine Antwort ganz einfach gewesen.
„Danke, ich melde mich morgen.“
Zwei Tage später denkt man: Jetzt müsste ich mich eigentlich entschuldigen.
Nach einer Woche erscheint die Sache noch unangenehmer. Also schiebt man sie noch einmal auf.
Irgendwann antwortet man gar nicht mehr, obwohl ursprünglich überhaupt kein Problem bestanden hätte.
Das zeigt sehr schön, wie Aufschieben sich selbst verstärken kann. Nicht die ursprüngliche Aufgabe wird schwieriger. Wir bauen durch das Warten zusätzliche Hürden darum herum.
Die beste Lösung ist in solchen Situationen meistens überraschend unspektakulär.
Antworten.
Keine zehnzeilige Erklärung schreiben. Keine komplizierte Geschichte erzählen. Ein kurzes „Entschuldige die späte Antwort“ reicht in den meisten Alltagssituationen völlig aus.
Danach ist die Sache wieder aus dem Kopf.
Manchmal schieben wir Dinge nicht auf, weil wir faul sind, sondern weil wir sie besonders gut machen wollen.
Eine E-Mail könnte schnell beantwortet werden. Wir möchten sie aber perfekt formulieren.
Ein Fotoalbum könnte einfach erstellt werden. Wir möchten zuerst alle Bilder sortieren, beschriften und bearbeiten.
Die Garage könnte Stück für Stück aufgeräumt werden. Wir warten allerdings auf jenes sagenhafte freie Wochenende, an dem wir alles gleichzeitig erledigen.
Perfektionismus kann dadurch aus einer kleinen Aufgabe ein Projekt machen.
Dabei wäre „erledigt“ in vielen Alltagssituationen vollkommen ausreichend.
Nicht jede Nachricht muss sprachlich brillant sein. Nicht jede Schublade benötigt ein ausgefeiltes Ordnungssystem. Nicht jede private Aufgabe braucht die optimale Lösung.
Manchmal muss die Glühbirne tatsächlich nur leuchten.
Interessant ist auch, wo unerledigte Dinge herumliegen.
Das Paket neben der Tür erinnert uns bei jedem Vorbeigehen daran, dass wir es noch abschicken müssen. Der Stapel Papier auf dem Schreibtisch signalisiert: Hier wartet Arbeit. Die Einkaufstasche mit den Sachen, die zurückgebracht werden sollen, steht möglicherweise seit Tagen im Flur.
Solche Gegenstände werden zu materiellen Erinnerungen an offene Aufgaben.
Das kann hilfreich sein, wenn man sie tatsächlich bald erledigt.
Bleiben sie allerdings wochenlang liegen, passiert etwas anderes: Man gewöhnt sich an sie.
Der Karton gehört irgendwann optisch zur Einrichtung.
Die Wahrnehmung blendet ihn zunehmend aus. Gleichzeitig taucht die Aufgabe gelegentlich wieder im Kopf auf.
Es kann deshalb sinnvoll sein, offenen Kleinigkeiten einen festen Platz zu geben. Nicht überall in der Wohnung kleine Erinnerungsinseln errichten, sondern Dinge sammeln und regelmäßig abarbeiten.
Das klingt weniger spektakulär als jedes neue Produktivitätssystem.
Es funktioniert dafür auch ohne App.
Natürlich gibt es für das Problem längst To-do-Listen.
Und Apps.
Und Kalender.
Und digitale Boards.
Und Notizbücher mit Punkten.
Das alles kann hervorragend funktionieren. Es kann aber auch selbst zum Hobby werden.
Man sucht die perfekte Aufgaben-App, ordnet Tätigkeiten nach Farben, vergibt Prioritäten und erstellt Unterkategorien. Nach einer Stunde ist das System wunderschön.
Erledigt wurde nichts.
Eine Aufgabenliste ist nur dann hilfreich, wenn sie uns zum Handeln bringt.
Bei kleinen Alltagstätigkeiten reicht deshalb häufig eine ausgesprochen primitive Liste. Fünf Dinge aufschreiben. Eines davon erledigen. Durchstreichen.
Das Durchstreichen ist übrigens ein erheblich befriedigenderer Teil des Systems als das Eintragen.
Eine sehr praktische Methode besteht darin, gelegentlich eine Runde durch den eigenen Alltag zu machen.
Was ist seit Tagen offen?
Welche Nachricht wollte ich beantworten?
Welchen Termin müsste ich vereinbaren?
Was steht herum, weil ich es irgendwohin bringen möchte?
Welche Kleinigkeit ärgert mich jedes Mal, wenn ich sie sehe?
Man findet erstaunlich viele Dinge.
Dann muss nicht alles sofort erledigt werden. Schon die bewusste Entscheidung kann entlasten.
Das mache ich heute.
Das mache ich Samstag.
Das brauche ich gar nicht mehr und streiche es.
Gerade der letzte Punkt wird unterschätzt. Nicht jede Aufgabe, die irgendwann auf einer Liste gelandet ist, besitzt ein ewiges Recht auf Erfüllung.
Man darf Dinge auch bewusst nicht tun.
Vielleicht liegt der größte Vorteil erledigter Kleinigkeiten gar nicht in der eingesparten Zeit.
Es ist das Gefühl danach.
Der Termin ist vereinbart.
Die Rechnung bezahlt.
Das Paket weggebracht.
Die Glühbirne gewechselt.
Keine dieser Tätigkeiten verändert das Leben. Trotzdem entsteht jedes Mal ein kleiner Moment der Erleichterung.
Etwas ist abgeschlossen.
Wir neigen dazu, Produktivität mit großen Leistungen zu verbinden. Projekte abschließen, Ziele erreichen, wichtige Entscheidungen treffen. Der Alltag besteht allerdings zu einem erheblichen Teil aus winzigen Dingen. Und erstaunlich viele davon können über Wochen Energie beanspruchen, obwohl ihre Erledigung nur Minuten dauern würde.
Vielleicht lohnt sich deshalb gelegentlich eine kleine Inventur.
Nicht: Was möchte ich im nächsten Jahr erreichen?
Nicht: Wo sehe ich mich in fünf Jahren?
Sondern eine wesentlich banalere Frage:
Was nervt mich seit Tagen und wäre eigentlich in zehn Minuten erledigt?
Sehr wahrscheinlich fällt einem sofort etwas ein.
Und falls neben der Tür gerade ein Paket steht, wäre jetzt möglicherweise ein ziemlich guter Zeitpunkt.
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